Bruchzeichen

Bruchzeichen


 

Bruchzeichen
Bruchzeichen Übersicht / by J.Bindeseil

Die Bruchzeichen sind unserer Ansicht eine schöne Geste bei der Jagdausübung, die nicht vernachlässigt werden sollte. Wir als Jäger sind auch verpflichtet dem Wild die Ehre zu erweisen und auch unseren Jäger als Kameraden und nächsten. Die Bruchzeichen dienen dazu um verschiedene Mitteilungen zu hinterlassen, aber auch um Ehre und Stolz seinen nächsten zu zeigen und erweisen. Die Bruchzeichen werden bei vielen gesellschaftlichen Anlässen der Jäger getragen. Wir als Jäger sollten die Tradition fortführen und auch anderen Jungjägern mit dieser Aufgabe beschmücken.

Für die Brüche werden belaubte oder benadelte Zweige bestimmter Baumarten (gerechte Holzarten) genommen. Die vom Baum gebrochenen (nicht geschnitten) Zweige werden teilweise mit dem Jagdmesser bearbeitet. Die gerechten Holzarten sind Fichte, Eiche, Tanne, Erle und Kiefer. Wenn keine bruchgerechten Holzarten in der Nähe des Erlegungsortes gefunden werden können, so dürfen auch andere Baum- oder Straucharten für den Bruch genutzt werden.

Die wichtigsten Brüche sind:

  • Inbesitznahmebruch
  • Letzter Bissen
  • Schützenbruch
  • Anschussbruch
  • Warnbruch
  • Fährtenbruch
  • Hauptbruch

 






Übersicht der Bruchzeichen


Hauptbruch

Der Hauptbruch sollte mindestens Armlang sein. Um ihn aufälliger zu machen wird dieser Bruch mit dem Waidmesser blank befegt (Rinde wird abgeschabt). Er hat die Bedeutung “Achtung” und soll dem Jäger sagen er soll auf weitere Zeiche achten. Auch kann er äuffallig in Augenhöhe aufgehängt werden. Ein Hauptbruch wird mit anderen Brüchen in Kombination gelegt die den Jäger weiter führen.

Leitbruch

Der Leitbruch hat nur noch eine halbe Armlänge aber ist ebenso befegt wie der Hauptbruch. Die Rinde zwischen den Nadeln oder Blättern wird entfernt. Sein gewachsendes Ende zeigt in der Richtung, in die es den Jäger weisen soll. Die Leitbrüche werden so ausgelegt, das man immer den nächsten Bruch sehen kann.

Anschussbruch

Der Anschussbruch ist ein Zweig der unbearbeitet ist und senkrecht in den Boden gesteckt wird. Es soll die Stelle markiert werden an dem der Jäger das Stück Wild angeschossen hat. So kann diese stelle schnell für Jäger und Hundeführer wiedergefunden werden. Ebenso kann er nicht von Sturm, Regen oder Schnee bedeckt werden. Oftmals wird dieser Bruch in Kombinatin mit anderen Brüchen gelegt wie z.B der Fährtenbruch um die Fluchtrichtung des Stück zu markieren.

Standortbruch

Der Standortbruch ist auch bekannt als Standplatzbruch. Hier durch kann einem Jäger z.B. bei einer Gesellschaftsjagd ein Standplatz im Jagdrevier zugeteilt werden. Hierzu wird ein armlanger Bruch in der Erde gesteckt. Die Seitentriebe werden entfernt wobei die Spitze jedoch bestehen bleibt. Dazu wird meistens ein Leit- oder Hauptbruch gelegt, der dem Jäger nach Ablasen der Jagd zum Sammelplatz führen soll.

Wartebruch

Bei dem Wartebruch werden zwei unbefegte Brüche Kreuzweise übereinandere gelegt. Dies soll ein Sammelplatz oder auch Warteplatz für den Jäger darstellen.

Warten aufgegeben

Wurde vergeblich gewartet, werden die Seitenzweige abgebrochen und der “kahle” Wartebruch wird hingelegt. Bedeutung: habe das Warten aufgegeben.

Hauptbruch

Bei Gesellschaftsjagten wird der Sammelplatz mit  drei etwa 1 Meter langen gefegten und in Pyramidenform zusammen gestellten Brüchen gekennzeichnet

Sammelplatzbruch

Der Fährtenbruch wird dort benutzt wo der Schütze nicht bei der Nachsuche bei sein kann. Es wird versucht so viele Informationen wie möglich dem Nachsucheführer zu übergeben. Dazu wird ein unbearbeiteter halb-armlanger Bruch meist zu dem Anschussbruch gelegt. Die gewachsene Spitze zeigt in der Richtung, wohin das weiblich Stück abgesprungen ist. Anderherum ist es bei männlichen Wild. Hier zeigt die Bruchstelle in der Fluchtrichtung. Damit keine Missverständnisse entstehen, wird zu dem Bruch noch ein geäfter (kleiner Querbruch) gelegt. Dies bedeutet nun das an der gegenüberliegenden Stelle des Querbruchs die Richtung und das Geschlecht markiert wird.

Warnbruchbruch

Für dem Warnbruch wird ein Bruch komplett von seinen Seitentrieben befreit und zu einem Kreis gebogen aufghängt. Dies soll dem Jäger vor eine mögliche Gefahr warnen wie z.B. eine Falle, unsicherer Hochsitz etc.

Inbesitznahmebruch

Der Inbesitznahmebruch oder auch Aneignungsbruch genannt. Hierzu wird ein Zweig auf der Ein- oder Ausschussstelle gelegt der die Stelle bedecken soll. Der Bruch ist etwa halb-armlang und unbearbeitet. Für diesen Bruch gilt die Regel: Bei einem männlichen Stück zeigt die gebrochene Seite zum Haupt (Kopf) und bei einem weiblichen die gewachsene Seite. Das erlegte Wild wird auf die rechte Seite gelegt.

Der letzte Bissen

Der letzt Bissen ist ein unbearbeiteter Zweig, der dem erlegten Wild quer in den Äser (Maul) gelegt wird. Dies symbolisiert die letzte Mahlzeit vor dem Tod. Der Brauch des Letzten Bissens, ein Bruch in den Äser bzw. Gebrech bei männlichen Tieren, geht auf die Frühzeit zurück und bedeutet soviel wie die Versöhnung mit dem erlegten Tier und der Natur. Ursprünglich wurde der Letzte Bissen nur dem männlichen Schalenwild gegeben. Mittlerweile ist er aber oft auch bei weiblichem Wild und auch beim Birkwild, sowie beim Murmeltier zu sehen. Der Jäger hat das Wild in Besitz genommen und zeigt damit an, dass das Stück rechtmäßig erlegt ist. Der Letzte Bissen ist eine Form der Respektbezeugung gegenüber dem gestreckten Wild.

Schützenbruch

Der Schützenbruch ist wohl einer der Brüche, die neben dem letzten Bissen noch am meisten angewandt werden. Hierzu wird ein unbearbeiteter Zweig mit Schweiß (Blut) benetzt und mit der Oberseite der Blätter oder Nadel an die rechte Seite des Schützenhut gesteckt. Dies zeigt den anderen Jägern das jemand Jagderfolg hatte. Ist der Jäger alleine bricht er selber den Bruch. Sind jedoch im Rahmen von Gesellschaftsjagden oder anderer Jagdarten mehrere Jäger anwesend, wird der Bruch durch eine zweite Person über dem Hut oder einem Waidblatt mit einem kräftigen “Waidmannsheil” und Händedruck übergeben. Trägt der Schütze keinen tödlichen Schuss an so wird der Bruch vom Nachsucheführer übergeben, wobei Schütze dann seinen Bruch teilt und dem Hund ein Teil an die Halsung (Halsband) steckt.

Festtagsbruch

Der Festtagsbruch ist ähnlich dem Schützenbruch, wobei er nicht mit Schweiß (Blut) benetzt wird. Er wird bei festlichen zusammenkünften von Jägern getragen.

Trauerbruch

Der Trauerbruch ähnelt dem Schützenbruch. Der unbenetzte Bruch wird an der linken Hutseite mit den Bältter oder Nadeln nach innen hin getragen. Bei eine Beerdigung eines Jagdkameraden wird der Hut vor dem Grab abgenommen und der Trauerbruch ins offene Grab geworfen.

Das letzte Bett

Am Sammelplatz der Jäger wird die gemeinsam gemachte Beute (Strecke) auf ein Bett von Brüchen gelegt. Häufig sieht man bei größeren Strecken auch nur eine Umrandung mit Brüchen. Dazu werden an den ecken Fackeln aufgestellt.


Brüche & Bruchzeichen – jagdliche Fragen


1. Was sind Brüche?

Kommunikationsmittel aus einer Zeit, in der es noch Schwierig war, Nachrichten an anderen Waidmännern zu geben.

2. Welche Brüche haben heute noch Bedeutung?

Aus Gründen der Tradition haben sich vor allem der Erlegerbruch, der letzte Bissen, der Inbesitznahmebruch und der Trauerbruch gehalten. Die meisten anderen Brüche haben kaum noch praktische Anwendung bzw. Bedeutung.

3. Welche Nachteile haben auf dem Boden liegende oder steckende Bruchzeichen?

Sie werden leicht übersehen oder mit zufällig am Boden liegenden Zweigen verwechselt.

4. Wie sieht ein Leitbruch aus?

Er ist ungefähr eine halbe Armlänge und befegt.

5. Ist es heute noch üblich den Anschuss zu verbrechen?

Ja, aber bei der Gesellschaftsjagd setzten sich immer mehr gut erkennbare und eindeutige Textilbänder und ähnliche Materialen durch. Wichtig ist dabei das der Anschuss wiedergefunden werden kann um spätere Nachsuchen zu erleichtern.

6. Was ist ein Fährtenbruch?

Er gehört zu dem Anschussbruch und bezeichnet das Geschlecht des beschossenen Stückes (gewachsene Spitze nach hinten = männlich) und dessen Fluchtrichtung.

7. Was ist ein Leitbruch?

Er ist halb so lang wie ein Hauptbruch und wird in Verbindung mit diesem gelegt. Er soll in irgendeiner Richtung führen.

8. Was ist ein Hauptbruch?

Es ist ein armlanger Zweig, der gelegt, gesteckt oder gehängt wird. Man kann mit ihm zum Beispiel einen Jagdgast signalisieren, wo ein Pirschsteig beginnt.

9. Was ist ein Wartebruch?

Er signalisiert einem Nachfolgendem Jäger, dass dieser an der betreffenden Stelle warten soll. Gibt dieser das Warten auf, bricht er die Seitenzweige der beiden gekreuzten Brüche ab.

10. Wie wird ein Trauerbruch getragen?

Mit der Nadelunterseite nach außen, auf der Linken Hutseite.

11. Welche Holzarten gelten als “brauchtumsgerecht”?

Alle heimischen Nadelholzarten, ausgenommen die Lärche, dazu noch die beiden heimischen Eichen und die Erle. Allerdings wird diese Beschränkung heute nicht mehr sehr ernst genommen.

12. Wozu dient ein Warnbruch?

Er soll beispielsweise vor Gefahren wie Totschlagfallen warnen und ist insofern sinnlos. Der Jäger weiß selbst am besten wo er seine Fallen stehen hat, und das Publikum kann er mit diesem Bruch nicht warnen.


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Jägerbrauch & Bruchzeichen
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