Greifvögel in Deutschland





Seit der Novelle BJagdZ-VO 1977 genießen alle Greifvögel ganzjährige Schonzeit, damals ein großer Erfolg der Naturschutzverbände! Sie unterliegen jedoch nach wie vor dem Jagdrecht, zugleich aber auch dem Naturschutzrecht (BNatSchG, EU-Artenschutzverordnung, CITES). Nach der EU-Vogelschutzrichtlinie darf in Deutschland ebenfalls keine Art bejagt werden! Dennoch weist die nordrhein-westfälische Jagdstrecke jährlich hunderte Habichte, Sperber, Mäusebussarde und Falken als Fallwild aus. Hierzu zählen Tiere, die durch Verkehrsunfälle, Krankheit oder illegale Verfolgung verendet sind und somit bereits tot im Revier aufgefunden werden.Wie so viele Vogelarten, leiden Greifvögel aber auch unter dem andauernden Verlust geeigneter Lebensräume. Die durch die Intensivierung der Landwirtschaft verursachte Strukturarmut und die Versiegelung von Flächen lässt diese knapp werden. Auch Unfälle an Strommasten und Windkraftanlagen sowie durch Landmaschinen und Straßenverkehr führen zu erheblichen Verlusten. Doch es gibt auch Erfolgsgeschichten im Greifvogelschutz: Dank den Bemühungen der Arbeitsgemeinschaft Wanderfalkenschutz, gibt es heute wieder fast 200 brütende Wanderfalkenpaare in NRW. Im Jahre 1970 war der Wanderfalke als Brutvogel in NRW bereits ausgestorben.

Hier ist eine Übersicht der Greifvögel:




Greifvogelarten

Es gibt etwa 310 Greifvogelarten weltweit, davon brüten in Europa nur 39. Wirklich regelmäßig beobachten können wir in Mitteleuropa aber höchstens diese 16 hier ausgewählten Arten, und bei einigen davon gehört dazu schon eine gute Portion Glück. Manche sind häufig und sehr leicht zu beobachten, wie z.B. der Mäusebussard – er segelt in der sich erwärmenden, aufsteigenden Luft (“Thermik”). Weit schwieriger ist die Bestimmung der Vögel, die nur kurz in unser Blickfeld geraten.

Wer einen Greifvogel bestimmen will, muss immer mehrere Merkmale in Betracht ziehen. Ein wichtiges Merkmal ist die Größe des Vogels – daher haben wir auf dieser Übersichtsseite dem jeweiligen Vogelmotiv zum Vergleich den Umriss einer Taube hinzugefügt. Trotz solcher Hilfen bleibt es schwierig, denn oft ist der Betrachtungswinkel oder die Körperhaltung des Tieres nicht ideal. Da hilft nur eines: heraus mit dem Fernglas und üben.

Der Name Greifvogel

Die Systematiker haben natürlich wieder etwas genauer hingeschaut und herausgefunden, dass der Name “Greifvögel”, so wie er im Alltagsgebrauch verwendet wird, keine natürliche (phylogenetische) Verwandschaftsbeziehung beschreibt. Unstrittig ist jedoch, dass die Habichtartigen, die Falken und die Eulen in diese Gruppe gehören – wobei letztere fast ausschließlich dämmerungs- oder nachtaktiv sind. Wir lassen die Eulen hier unberücksichtigt – zum einen, weil die Unterscheidung der Flugbilder auch ohne die der Eulen bereits schwierig genug ist, zum anderen, weil die Bestimmung von Greifvögeln anhand ihrer Flugbilder bei Nacht eher bei “Wetten dass” Chancen hätte und die Systematiker dann schon längst im Bett liegen.

Greifvögel haben unter den hiesigen Jägern und Kleintierzüchtern oft einen schlechten Ruf. Nicht ganz zu unrecht werden sie beschuldigt, Hühner, Brieftauben, Singvögel und Kleinwild zu jagen. Die Berichte von großen “geschlagenen” (erbeuteten) Tieren oder gar geraubten Kleinkindern sind dagegen Märchen. Die wenigen Hühner und Brieftauben, die ihnen zum Opfer fallen, sollten jedoch nicht als Anlass herhalten, die Bestände der Greifvögel zu dezimieren. Durch einfache Mittel wie versetzbare Gitterkäfige oder in 3-4 m Höhe aufgehängte glänzende Kugeln lassen sich z.B. die Hühner schützen. Kleintierzüchter, Jäger und Singvogelfreunde mögen sich damit trösten, dass Greifvögel gezielt die geschwächten und weniger “fitten” Tiere jagen – den Bestand ihrer Beute können sie nicht ernsthaft gefährden.

Lebensweise der Greifvögel

Alle hier vorgestellten Greifvögel sind tagaktiv und bevorzugen lebende Beute. Meistens übernehmen die Männchen die Brutpflege, die Weibchen helfen gelegentlich aus oder halten sich dabei völlig zurück. Die Weibchen sind fast immer größer und schwerer als die Männchen. Für die Artbestimmung ist die Gefiederfärbung meistens nicht sehr hilfreich, denn selbst innerhalb der Arten ist die Varianz der Färbungen sehr hoch. Darüber hinaus sind die Vögel erst vollständig ausgefärbt wenn sie erwachsen sind. Zu allem Überfluss gibt es oft auch noch helle und dunkle Phasen während des Lebenszyklus, so dass eine Artbestimmung allein anhand der Gefiederfärbung selbst Fachleuten nur selten gelingt. (Ein Bericht der bionetworx.de Seite)